Programmübersicht 2017

Ort: jeweils im Festsaal des Collegium maius (Landeskirchenamt der EKM), Michaelisstraße 39

Do, 26. Januar | 19.30 Uhr
Dr. Steffen Raßloff: Lutherland Thüringen
Martin Luther besitzt seine biographischen Wurzeln in Thüringen. Hier haben sich entscheidende Momente seines Lebens abgespielt. Im „Lutherland“ gelang es zudem der Reformation sich rasch zu etablierten. Thüringen verfügt so neben Sachsen-Anhalt über die meisten bedeutenden Luther-Erinnerungsstätten. Dies hatte über Jahrhunderte eine intensive Erinnerungskultur zur Folge, sogar in der DDR-Zeit nahm man sich des Reformators anlässlich dessen 500. Geburtstages 1983 an. Heute spielt Luther als identitätsstiftende und tourismusfördernde historische Persönlichkeit besonders im 500. Reformationsgedenkjahr 2017 eine wichtige Rolle.

Do, 30. März | 19.30 Uhr
Dr. Christoph Spatz (Berlin): Nur der Himmel blieb derselbe – Ostpreußens Hungerkinder
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte sich von 1945 bis 1948 im nördlichen Ostpreußen, in Königsberg und der weiteren Umgebung, eine humanitäre Katastrophe ab. Mehr als 100.000 Menschen starben an Seuchen und Unterernährung. Die Übriggebliebenen waren oft Kinder. Ohne Eltern, ohne Familie. Manche landeten in sowjetischen Heimen, andere flohen auf eigene Faust nach Litauen, um sich zu retten. Von der Tragödie dieser Kinder nahm die Welt jahrzehntelang nahezu keine Notiz. Erst in den 1990er-Jahren wurde die Öffentlichkeit auf ihre Schicksale aufmerksam. Der Historiker Christopher Spatz hat die Schicksale der ostpreußischen Bettelkinder rekonstruiert. In seinem Buch lässt er Betroffene zu Wort kommen.

Do, 22. Juni | 19.30 Uhr
Dr. Matthias Pöhlmann (München): Gott steht in den Gelben Seiten. Begegnungen mit neureligiös-weltanschaulichen Bewegungen im Westen der USA
Die derzeitige US-amerikanische Gesellschaft ist wesentlich stärker religiös-spirituell orientiert als die europäische. Die Vielfalt neuer Religionen und Kulte ist immens. Der Vortrag fasst wichtige Eindrücke zusammen, die der Referent bei einer Studienreise in den Westen der USA gewinnen konnte. Er berichtet von Begegnungen mit charismatischen Christen, neuen Hexen und einem Besuch in der Weltzentrale der Mormonen in Salt Lake City. Berichtet wird auch über eine Stippvisite bei der umstrittenen Scientology-Organisation. Zahlreiche Fotos runden das Bild ab.

Do, 14. September | 19.30 Uhr
Dr. Harald Lamprecht (Dresden): Die Christen und die neuen Rechten. Einprozent.de, Identitäre Bewegung und die Wiederkehr der Deutschen Christen
Die bekannten rechtsextremen Parteien bilden mit ihrer Affinität zum Nationalsozialismus und zu neugermanischem Heidentum ein deutliches Gegenüber zum Christentum. Ganz anders liegt dies bei den sogenannten Neuen Rechten. Im Gewand der Konservativen werben sie gezielt um Christen, reden von Schöpfungsordnung, organisieren Anti-Asyl-Proteste und suchen Anknüpfung bei der Theologie der Deutschen Christen. Der Vortrag stellt diese Strömungen vor und fragt nach angemessenen Formen des Umgangs.

Do, 12. Oktober | 19.30 Uhr
Prof. Dr. Eckhard Giese, Erfurt: Was uns Angst macht
ANGST ist unsere vielleicht universellste Emotion. Sie treibt uns an und um, sie orientiert uns und sie behindert uns. Dabei geht es uns doch gut!? Wer keine Angst hat, macht uns welche. Angsthasen gibt es nicht nur im Tierreich. Sind wir eine „Gesellschaft der Angst“ (Bude)? „Essen Angst Seele auf? “( Rainer Werner Faßbinder)? Frei von Angst – ist es das, was wir wollen? Der Vortrag nimmt Ausgang beim Alltagserleben und stellt Angst in einen kulturhistorischen Zusammenhang. Soziale und individuelle Strategien des Umgangs mit Angst und Ängsten werden anschaulich gemacht und zur Diskussion gestellt.

Do, 16. November | 19.30 Uhr
Dr. Axel Töllner (Neuendettelsau): Ein schwieriges Erbe: Die Reformation und die Juden
Wenn es um Juden und das Judentum in der Reformationszeit geht, konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung meist auf einzelne Äußerungen Martin Luthers. Dabei spielt das Thema eine zentrale Rolle in seiner Theologie. Weniger Beachtung finden die Vorstellungen von Philipp Melanchthon oder Martin Bucer zu diesem Thema. Der Vortrag vergleicht die Positionen und untersucht, welche Funktionen die Rede über „die Juden“ und „das Judentum“ damals hatte. Er geht auf die kontrovers diskutierte Frage ein, welche Schlussfolgerungen wir heute, 500 Jahre nach der Reformation, aus den Judenbildern der Reformatoren ziehen müssen.